Taganga Hitzetag und Fahrt über Paso del Mango zur Finka Carpe Diem in der Sierra Nevada – 23.+24.05.26

Samstag, 23.05.26
Der Samstag begann mit einem sehr entspannten und wahnsinnig leckeren Frühstück. Schon wieder in dem kleinen Laden gegenüber von „La Mona“, dem „Cafe Taganga“, mit seinem feinen und sorgfältig ausgewählten Portfolio. Die zwei Mädels waren begeistert vom arabisch-nordafrikanischen Shakshuka. Bei mir war es leider so ein Tag, an dem mein Dimmer nur auf ungefähr 30 % stand, und ich hatte schon genug damit zu tun, die 200 bis 300 Meter den Berg hoch zur Unterkunft zu schaffen. Ich brauchte danach fast zwei Stunden, um wieder halbwegs normal interagieren zu können. An diesem Tag war es sogar so: Selbst wenn ich nur die Treppen zur Dachterrasse hoch- und wieder runterging, hatte ich anschließend einen Puls von 160, mit einer sehr merkwürdigen Streuung bei der Intensität der Schläge, und der ging auch erst nach einer halben Stunde langsam wieder runter. Ich probierte alle möglichen Atem- und Entspannungstechniken aus und fand tatsächlich eine, die einigermaßen funktionierte. Aber ganz ehrlich: Ich machte mir inzwischen ernsthaft Sorgen und hatte sogar schon angefangen aufzuschreiben, was ich den Ärzten sagen würde, falls ich doch ins Krankenhaus müsste. Denn genau so fühlte ich mich. Wie ein Stück geschmolzene Butter lag ich auf dem Bett.

Die Mädels hatten ja ihren freundlichen „Guide“, und der war mit ihnen an der Playa Grande, von Taganga aus mit dem Boot in fünf Minuten zu erreichen oder zu Fuß in einer Viertelstunde. Die Mädels entschieden sich fürs Boot, und bei der Hitze war das eine sehr kluge Wahl. Ich glaube, beide hatten viel Spaß im Wasser, und das Essen war auch ganz lecker: gebratener Fisch. Sehr simpel, aber trotzdem ganz agradable. Für eine Köchin, die hervorragend peruanisch kochen kann, ist das kolumbianische Essen natürlich nicht unbedingt das ganz große Super-Highlight.

Das eine Mädel wollte mit dem „Guide“ nach Santa Marta in die Disco, das andere, ältere Mädel fuhr vorsichtshalber mit. Mir war das ganz recht, denn dadurch hatte ich meine Ruhe, und so richtig gut beieinander war ich überhaupt nicht. Später holte ich mir eine Pizza von der Pizzeria an der Ecke und bekam Besuch von Stefan und seiner Freundin Ladys, einem Facebook-Freund, dessen superinteressante Beiträge und Einschätzungen ich immer gern gelesen und geteilt habe. Das hat mich sehr gefreut, und es wäre ein wahnsinnig interessanter Abend geworden, wenn mein Spanisch nicht so schlecht gewesen wäre. Recht schmerzlich bemerkte ich wieder einmal: Es reicht zum Essen bestellen, für Smalltalk und für die wichtigsten Dinge auf der Straße, aber sobald es in Richtung Philosophie oder Politik geht, beißt’s aus. Und ich schwor mir, sobald ich wieder nach München komme, diesmal nicht so faul zu sein und endlich ein bisschen zu lernen. Wobei ich an dem Abend auch einfach nicht fit war. Das Gemeine ist ja: Man sieht es mir nicht an.
Die Mädels kamen dann früher als gedacht zurück. Patty ging mit dem „Guide“ noch runter an die Promenade von Taganga, Marie ging schon ins Bett. Sie hatte wohl deutlich zu viel Sonne abbekommen. Ich verzog mich auf die Dachterrasse, denn es wehte ein leichter Wind, und es war herrlich, sich in der Hängematte vom Wind schaukeln zu lassen wie ein kleines Kind. Dort wollte ich meine Atemtechnik verfeinern, um diese blöden Herzrhythmusstörungen besser in den Griff zu bekommen.

Sonntag, 24.05.2026
Diesmal ging es zum Frühstücken runter an den Strand von Taganga, in ein italienisch angehauchtes Restaurant, in dem man um diese Zeit auch gut frühstücken konnte. Man sitzt direkt am Strand und hat trotzdem schön Schatten. Das Lokal befand sich genau am Strandeingang, an dem die ganzen Taxis aus Santa Marta ankamen, und so war es sehr kurzweilig, den Strom der illustren Badegäste zu beobachten. Danach kaufte ich mir noch einen wunderschönen weißen Sombrero. Inzwischen gab es die sogar in meinen „Cabezon-Größen“, denn in den vergangenen Jahren waren mir in Kolumbien die Hüte in der Regel immer deutlich zu klein gewesen. Das war schon eine enorme Verbesserung, um eine gewisse Resistenz gegen die Hitze aufzubauen. Trotzdem musste ich ja noch den Berg hoch zur Unterkunft. Die Mädels schauten noch in dem Supermarkt unten an der Ecke, was es dort alles gab. Mir war der auch neu, früher war da ein Restaurant. Aber mein Dimmer fiel immer weiter ab, und ich wollte nur noch hoch, um wieder das „Butterspiel“ auf dem Bett zu spielen. Was mir mit großem Kraftaufwand tatsächlich gelang. Ich fragte mich ernsthaft, wie ich es am Nachmittag schaffen sollte, da oben in die Finca in der Sierra Nevada zu kommen. Erschwerend kam noch hinzu, dass ich mir bereits in Deutschland ein Baumhaus gebucht hatte. Also verbrachte ich die verbleibende Zeit mit mentaler Vorbereitung auf einen Kraftakt, der mir in diesem Moment völlig unvorstellbar vorkam. Und ja, wieder spielte ich mit dem Gedanken, ob ich im Krankenhaus nicht besser aufgehoben wäre.

Nach dem Packen warteten wir im schattigen Garten der Französin auf den Fahrer mit seinem Jeep. Ohne Jeep ging da nichts. Der kam total pünktlich um 15 Uhr mit seinem fetten Toyota Hilux. Genau das richtige Auto für so etwas. Einen Teil des Gepäcks konnten wir bei der Französin im Casa Bella Mya lassen. Die Strecke war eigentlich gar nicht so weit, aber bedingt durch die Straßenverhältnisse dauerte sie trotzdem über eine Stunde. Durchgeschüttelt wurden wir auch ordentlich. Ich hatte ein bisschen Bedenken, wie Marie und Patty das gefallen würde. Dabei war die Fahrt eigentlich sehr kurzweilig, denn man konnte die vielen Motorräder beobachten, die meistens mit ein bis fünf Mitfahrern besetzt waren und bei ihren Eskapaden erstaunlich souverän wirkten. Oft saßen Kleinkinder vorne auf dem Tank. Ab und an parkte der Fahrer rechts am Rand, um die sich hinter uns sammelnde Kolonne an Motorradfahrern vorbeizulassen. An Überholen war sonst nicht zu denken, denn die Straße war eng, steil und in einem sehr schlechten Zustand. Auch Gegenverkehr ließ sich nicht immer leicht lösen. Weil Sonntag war, waren viele Motorräder und auch das eine oder andere Auto auf dieser Strecke unterwegs. Menschen aus Santa Marta, die in der Sierra Nevada ein bisschen Abkühlung suchten. Der Transport beziehungsweise die Mobilität der Menschen in diesen doch recht abgelegenen Bergtälern und Dörfern erfolgt fast ausschließlich über Motorräder. Und die Jungs sind wahre Meister darin, über Schlaglöcher zu balancieren. Links und rechts der Straße lagen unter den Mangobäumen die heruntergefallenen, aufgeplatzten, reifen Mangos in unglaublicher Zahl. Es war gerade Erntezeit, und wir fuhren in Richtung Paso del Mango. Da gibt es definitiv viele Mangos. Julian, der Fahrer, war anfangs nicht besonders gesprächig, aber Stück für Stück taute er auf, und wir kamen immer mehr ins Gespräch. Er war aus Argentinien und schon seit ein paar Jahren in Kolumbien, hasste den Verkehr in Santa Marta und fuhr viel lieber mit seinem fetten Jeep durchs Gelände. Mit großer Virtuosität bezwang er die Kraterpiste hoch zur Finca. Carpe Diem war dann doch deutlich größer, als ich gedacht hatte. Aber durch den belgischen Besitzer war da offenbar nicht viel Spielraum für Chaos und Improvisation. Von der Infrastruktur her schien wirklich alles perfekt zu sein. Auch an der Rezeption war man trotz des großen Ladens sehr vertraut und freundlich. Aber jetzt musste mit Gepäck noch der Weg hoch zum Baumhaus bewältigt werden. Glücklicherweise half mir ein Junge von der Rezeption, denn allein hätte ich den Weg ohnehin nicht gefunden. Er trug das rote Monster: eine große Reisetasche mit Rollen, Bügel und glücklicherweise zusätzlichen Tragegurten. Man konnte sie wie einen Rucksack verwenden, sehr praktisch, wenn die Straßen schlecht wurden oder gar nicht mehr vorhanden waren. Ich würde schätzen, dass man im Normalfall von der Rezeption in etwa drei Minuten beim Baumhaus ist. Es ging vorbei an Hängemattenplätzen, Schwimmbädern, Außenbereichen mit Bar und Gemeinschaftsunterkünften für Low-Budget-Reisende. Alles über sehr steile, enge, aber mit großen Kieseln grob gepflasterte Wege. Am Baumhaus angekommen, führte eine sehr steile, enge Treppe hoch ins erste Geschoss, in dem sich der Schlafbereich mit einer schönen Außenterrasse befand. Direkt darunter lagen WC, Dusche und Waschbecken. Der Raum war geräumig, mit einem einfachen Regal versehen und einem leistungsfähigen Ventilator an der Wand. Die Fensterfront bestand nach vorne hin praktisch nur aus Fliegengitter, und mitten im Raum residierte ein riesiges Doppelbett, das glücklicherweise eine harte Matratze hatte. Das Bett war komplett mit einem großen Moskitonetz abgedeckt, sodass man dort ruhig schlafen konnte, ohne eine „Moskito-Saufparty“ befürchten zu müssen. So sah es zumindest aus. Bei der morgendlichen körperlichen Restmüllentsorgung und auch bei den Dehydrierungs-Zwischenstopps hatte man eine hervorragende Aussicht auf den Wald und die Berge der Sierra Nevada. Atemberaubend! Das erinnerte mich an so manche Skitour mit Übernachtung in Winternotlagern von Hütten, bei denen wir uns manchmal auch solche Spezial-Freiluft-Donnerbalken mit unglaublichem Bergpanorama bauten. Danach gab es nur noch eine Relax-Session am Pool, wo ein sympathischer dominikanischer Barkeeper die Mädels mit Cocktails und mich mit einem Bier versorgte. Das Abendessen war, ich sage mal, sehr neutral gewürzt. Das Publikum bestand hauptsächlich aus jungen amerikanischen Touristen. Ein Klientel, das nicht zurückgrüßt, wenn man es freundlich grüßt. Unsere komplette kleine Reisegruppe war müde, und schon gegen 20:30 Uhr verschwanden ich in Richtung meines Baumhauses und die Mädels in ihre Kogi-Hütte. Den Aufstieg bewältigte ich mit vielen Pausen, wobei mir auch ein kleiner Konvoi entgegenkam, der eine verletzte Frau nach unten trug, die sich auf dem schwierigen Weg wohl den Fuß verstaucht hatte. Das wäre eigentlich eher mein Part gewesen.

Ich war müde. Eigentlich hatte ich noch den Impuls, die Hängematte aufzuhängen, denn dafür gab es genügend Möglichkeiten. Für mich ist das ein wirklich wichtiges Attribut bei der Klassifizierung solcher Locations. Aber ich war so kaputt, dass ich mich nur noch in das riesige Bett legte und die Geräusche der Nacht in mich aufsaugte. Den Ventilator ließ ich aus, der machte mir zu viel Lärm. Ich lag fast nur in Unterwäsche auf dem Laken, denn es war sehr warm. Aber im Laufe der Nacht kroch ich dann doch unter das Leintuch, denn es wurde plötzlich kühler. Nicht kalt, nur kühler. Die Geräusche der Nacht im Hochwald, das Rauschen des Wildbachs unten, all das ließ mich ruhig schlafen. Auch zu Hause höre ich mir, wenn ich nicht schlafen kann, gern YouTube-Videos mit Amazonas-Soundgeräuschen und Ähnlichem an. Das bringt mich fast unweigerlich schnell zum Einschlafen oder hat zumindest eine sehr beruhigende Wirkung auf mich.