Regler auf Null: Ein Morgen zwischen Mondongo, Medellín und Muskelversagen – Sonntag, 31.05.2026

Heute Morgen stand der Regler wirklich ganz unten. So weit unten, dass selbst die Morgentoilette ein kleiner Berglauf war. Ich schleppte mich also um zwei Ecken zum Restaurant San Joaquín. Da war ich schon einmal — damals hatte ich, völlig ahnungslos, Mondongo bestellt. Kutteleintopf. Rindermagen. Etwas, das ich niemals freiwillig bestellt hätte, wenn ich gewusst hätte, was es ist. War damals eine Empfehlung der Kellnerin. Aber siehe da: Es war überraschend lecker. Man muss neuen Dingen eben eine Chance geben, sonst entgehen einem die feinen, schrägen, wunderbaren Aspekte des Lebens.

Heute wollte ich ein richtiges Paisa‑Frühstück. Und da war ich im Restaurant San Joaquín sehr gut aufgehoben. Problem: Das wusste nicht nur ich, Sonntag war es auch. Der Laden war rappelvoll. Kein Sitzplatz, Warteschlange bis zur Theke. Also schleppte ich mich weiter — und ich meine wirklich schleppte. Keine Kraft in den Beinen, und die Füße machten irgendwelche Kunststücke, die definitiv nicht von mir autorisiert waren. Beim Überqueren der Straße musste ich mich richtig konzentrieren. Noch einmal auf dem Knie landen wie eine Woche vor Abflug? Nein danke. Der Arztbesuch damals hat gereicht.Gegenüber war eine Drogerie, also deckte ich mich noch mit Herzmedikamenten ein. Spottbillig. Insgesamt weniger als die Zuzahlung in Deutschland. Ich dachte nur: Hoffentlich macht mir der Zoll keinen Strich durch die Rechnung. Aber gut — wenn doch, dann ist der Verlust überschaubar. Auf Google Maps fand ich dann ein gut bewertetes Restaurant auf der anderen Seite
der Carrera 70: La Casseta. Ich war früh dran, und der sympathische, extrem flamboyante Camarero erklärte mir mit zwitschernder Stimme und wild fuchtelnden
Händen, dass es für Mittagessen zu früh sei, ich aber ein traditionelles Paisa‑Frühstück bekommen könne.

Eine abgespeckte Bandeja Paisa, quasi die Frühstücksedition. Das Paisa‑Frühstück ist deftig, kräftig und so konzipiert, dass man
danach problemlos einen Kleinlaster schieben könnte. Im Mittelpunkt: eine dicke Arepa aus weißem Mais, gebraten mit Butter oder Käse. Dazu rote Bohnen, zartes Hack- oder Rindfleisch, eine kleine würzige Chorizo, ein Stück knusprige Schweineschwarte und ein frisch gebratenes Ei. Oft noch Avocado und ein Löffel Hogao, dieser herrlichen Tomaten‑Zwiebel‑Sauce.

Traditionell trinkt man Aguapanela oder starken Kaffee. Bei mir wurde es ein Café con Leche und eine deutlich abgespeckte Version des Ganzen — aber
mit Schweineschwarte. Also: extrem deftig. Ich nahm noch einen frisch gemixten Saft dazu, natürlich ohne Zucker. Die Säfte in Kolumbien sollte man sich wirklich nie entgehen lassen. Immer zuschlagen, immer. Dann schleppte ich mich zurück ins Hotel und war heilfroh, wieder im Zimmer zu sein. Eigentlich wollte
ich heute eine Tour machen und ein paar Sightseeing‑Punkte abhaken — einfach, damit ich
sagen kann: „Da war ich auch mal.“

Am liebsten hätte ich mir einen Taxifahrer geschnappt und gesagt: „Fahr mich einfach irgendwohin, ich nicke nur noch ab.“ Aber jetzt war ich erst mal froh, dass ich mich von diesen paar Metern erholen konnte. Ich hoffte auf ein Einsehen des Mannes am Dimmer. Die Mädels meldeten sich nach ihrem Trip nach Barranquilla und Cartagena und bestätigten
meine Warnungen bezüglich Cartagena: überlaufen, teuer, dreckig, aggressiv. Aber auch schön — zumindest die Altstadt. Einmal gesehen, Thema abgehakt. In meinen Beinen war inzwischen Beton. Es war Nachmittag, der Regler war wirklich ganz, ganz
unten. Ich konnte kaum noch sicher gehen. Ich hoffte sehr, dass das bis zum nächsten Tag vorbei wäre, denn da stand die Reise nach Nuquí an. Ich konnte ja
kaum das Handy halten — selbst das kauen war schon anstrengend. Irgendwie kam der Sauerstoff nicht bei den Verbrauchern an, den Muskeln. Später schleppte ich mich noch in ein „Grünfutterlokal“ zum Abendessen — das Smash Advocadería bei
der Uni. Endlich mal wieder etwas zu 100 % Gesundes. Ohne Schweineschwarte, ohne Blutwurst, ohne Maisbrätlinge. Mein Körper hat sich wahrscheinlich bedankt.

Auf der Carrera 70 sammelten sich die Leute vor dem Fernsehern, denn heute war Wahltag. Gustavo Pedro hatte seine Amtszeit erreicht und Es gab drei Kandidaten die zur Wahl standen.

Die drei Spitzenkandidaten:

  • Iván Cepeda (linkes Regierungsbündnis „Pakt Historico“): Letzte Umfragen lagen bei 33–44 %. Er führt knapp, aber ohne die absolute Mehrheit von 50 %.
  • Abelardo de la Espriella (rechts, unabhängig): Stark aufgeholt, bei 28–37 %. Die Differenz zu Cepeda liegt oft im Fehlerbereich – also fast Gleichstand.
  • Paloma Valencia (konservativ/Rechts): Dritte Position mit 13–22 %, eher Außenseiterin für die Stichwahl.

Es war spannend wer das Rennen machen würde.

Das Ergebnis war dann so, das ist eine dich wohl zwischen Cepeda und Espriella geben würde. Da Paloma Valencia ( Die rausfiel) ebenfalls rechts einzuordnen war standen die Chancen für den rechten Kandidaten der Stichwahl, also für Espriella, recht gut.

Schade, denn Gustavo Pedro hatte in seiner Amtszeit viel für sein Land getan. Aber die Medien sind in der Hand rechter Kräfte, die wiederum Durch US-Einfluss unterstützt wurden und werden und somit ist die linke Regierung in Kolumbien vermutlich Geschichte. Hoffentlich wird es nicht laufen wie in Argentinien, oder gar wie in Peru, das totale Chaos.