Die letzte Episode – Nuqui Medellín Taganga – 5. – 7. Juni 2026

260605 – Nuquí → Medellín

Ich stand relativ früh auf, frühstückte und fuhr mit dem Tuk Tuk zum Flughafen. Nachdem ich mein Gepäck abgegeben hatte, wollte ich noch einmal kurz raus zum Frühstücken. Eine Flughafenmitarbeiterin rannte mir hinterher und wollte wissen, warum ich „wegrenne“. Meine Erklärung, dass ich nur noch frühstücke, beruhigte sie dann.

Ich transportierte außerdem einen Goldring für einen Freund von Santiago, der mich am Flughafenausgang erwartete. Danach ging es mit dem Uber zum Hotel und direkt weiter ins Lokal San Joachim, wo ich richtig lecker gegessen habe. Mein „Regler“ stand allerdings nur auf 25 %, große Sprünge waren in Medellín also nicht drin.


260606 – Medellín → Santa Marta → Taganga

Am nächsten Morgen frühstückte ich im Restaurant schräg gegenüber vom Hotel. Danach nahm ich ein Uber zum Flughafen, oben in Rio Negro – nicht durch den Tunnel, sondern über den Berg, mit einem super sympathischen Taxista. Das Check-in bei Avianca war problemlos, der Flug nach Santa Marta dagegen endete mit einer ziemlich rumpeligen Landung. Durch die Luftlöcher gab es sogar eine Art „Kinderspaßprogramm“ beim Landeanflug.

Ich ignorierte alle Schlepper und Taxifahrer vor dem Flughafen in Santa Marta, zog mein rotes Monster hinter mir her, überquerte die Straße und setzte mich erstmal direkt ans Meer in eine Strandbar. Ein Bier am Strand – genau so hatte ich es mir immer vorgenommen. Das war eine absolut hervorragende Idee, ich haute mir selber auf die Schulter!

Dort saß zufällig ein Taxifahrer, was ich zunächst gar nicht wusste. Als ich ein Uber bestellen wollte, meinte er, ich solle das canceln, er fahre mich zum selben Preis. Ein super sympathischer Dominikaner mit einem Auto, das ständig ausging und dessen Anlasser kaum funktionierte. Die Klimaanlage war eher für Tiefkühltruhen ausgelegt und blies wie verrückt. Kurz vor Taganga setzte dann noch strömender Regen ein.

Die sympathische Französin vom Casa Bella Mya legte mir die 60 Pesos für den Taxifahrer aus, weil er nicht wechseln konnte. Ich gab sofort Wäsche zum waschen ab, denn ich hatte praktisch keine saubere Wäsche mehr und ging runter ins Dorf. Eigentlich wollte ich zu Kiosk Número 14, aber wegen des Regens war er geschlossen. Also landete ich im bewährten Pachamama, bestellte leckeres Hühnchen-Kebab und Bier, beobachtete das Abendtreiben und ging dann zurück ins Hotel.

Dort folgte eine exzessive Hängemattensession auf der Dachterrasse bis 3 Uhr morgens – begleitet von ungewollter Vallenato-Dauerbeschallung. Danach ging ich doch noch ins Bett und schlief unter dem Ventilator weiter.


260606 – Taganga

Die meiste Nacht verbrachte ich auf der großzügigen, luftigen Dachterrasse des Casa Bella Mya in der Hängematte. Erst gegen 3 Uhr ging ich ins Bett und schlief noch ein wenig weiter. Wenn ich in diesem Haus wohnen würde, würde ich vermutlich den Großteil meiner Zeit auf dieser Dachterrasse verbringen – vor allem die Nächte. Ein angenehmer Wind, ein schöner Blick, Abstand zu allem und trotzdem ganz nah dran.

Aktuell war es etwas kühler als sonst: nachts „nur“ 25 Grad statt der üblichen 29. Auch die Gebäude hatten sich durch die Bewölkung tagsüber weniger aufgeheizt.

Reise-Endspurt & körperliche Grenzen

Langsam näherte sich meine Reise dem Abschluss. Alleinreisen war ich gewohnt – zweimal sieben Wochen Kolumbien zuvor, plus andere Reisen, die ich hier im Blog nicht thematisiere. Aber diesmal war es eine besondere Herausforderung. Ich wusste wirklich nicht, ob ich es körperlich schaffen würde. Die heftigen Fatigue-Anfälle vor der Reise hatten mich nervös gemacht. Teilweise war ich zu nichts fähig gewesen.

Trotzdem bin ich los. Und in der ersten Woche bereute ich diese Entscheidung manchmal. Ich dachte, ich hätte es diesmal überzogen. Aber Stück für Stück wurde es besser. Klar, ich konnte nicht da anknüpfen, wo ich letztes Mal aufgehört hatte. Ich musste vier Gänge runterschalten. Ich war im ersten Kriechgang eines Traktors unterwegs, nicht im sportlichen sechsten Gang eines Porsches.

Aber das war gut so. Eine feine Übung in Beschaulichkeit, im Spüren körperlicher Bedürfnisse und Grenzen. Etwas völlig Neues für mich, denn bisher habe ich meinen Körper oft überfordert – und er hat es erstaunlich gut weggesteckt.

Jetzt bin ich optimistisch, dass ich den Großteil meiner Einschränkungen wieder in den Griff bekomme. Und wenn nicht, dann mache ich das Beste daraus. Das Schlimmste ist innere Resignation – damit zieht man sich selbst den Stecker. Am Ende geht es immer um die Tendenz: aufwärts oder abwärts. Eine schlechte Ausgangslage mit Aufwärtstendenz kann glücklich machen. Eine gute Ausgangslage mit Abwärtstendenz kann schrecklich sein. Vielleicht definiert sich Glück genau darüber.

Die hohe Schule des Glücks wäre vermutlich, Glück zu empfinden, selbst wenn es tendenziell abwärts geht. Aber das würde jetzt zu weit führen.

Was die Reise mit mir gemacht hat

Ich war glücklich, dass mir die Reise so viele schöne Eindrücke und Gefühle geschenkt hat. Dass ich mich wieder stärker fühlte. Und dass ich die Chance bekam, durch empfindliche „Wundberührungen“ – bei denen manche Erlebnisse nur Trigger waren – gestärkt hervorzugehen. Achtsamer, wertschätzender mit mir selbst. Ein neuer, stärkerer Erdling.

Falls man im Dezember überhaupt noch fliegen kann, angesichts der politischen Lage, möchte ich mehrere Monate nach Kolumbien reisen. Vielleicht mit einem Abstecher nach Peru, um alte Freunde zu besuchen.

Alleinreisen in Kolumbien

Ich kann das Alleinreisen sehr empfehlen. Es hat viele Vorteile, aber auch ein paar Nachteile. Für viele Kolumbianer ist es unvorstellbar, alleine zu reisen. In Reisegruppen – besonders im Chocó – wurde ich oft mit merkwürdigen, befremdeten oder bedauernden Blicken angesehen.

Taganga – 16 Jahre später

Taganga hat sich in den letzten 16 Jahren enorm verändert. An diesem Samstag bereiteten sich alle auf den Abend vor. Schon am Nachmittag wurden die fetten Musikanlagen rausgestellt. Jedes Restaurant seine eigene, jede größer als die andere. Ein Wettbewerb der PAs, ein gnadenloser Wettkampf der Lautstärke. Für mich schwer auszuhalten.

Auch hatte sich noch nicht herumgesprochen, dass ich weder an Kokain, Marihuana, Frauen noch Männern interessiert war. Ich wurde ständig auf diese vier „Waren“ angesprochen.

Was mich mit Taganga versöhnt

  • die Dachterrasse des Casa Bella Mya
  • die super sympathische französische Besitzerin
  • das Café Taganga mit seinem unglaublich leckeren Frühstück
  • das Pachamama mit Blick auf die „Einzugsallee der Gladiatoren der Sonnenanbeter“

Kiosk Nummer 14 enttäuschte mich dagegen: bestellt hatte ich Shrimps in Knoblauchsoße, bekommen habe ich Shrimps in billiger Tütensahne. Gnadenlos. Ohne Gewürze. Die Beilagen dagegen hervorragend – aber die Portion winzig.

Hostels in Taganga

Taganga eignet sich immer noch gut zum Ankommen – solange es die Dachterrasse des Casa Bella Mya gibt. Es gibt auch Alternativen wie das Hotel San Marcos Taganga, ebenfalls mit toller Dachterrasse, aber weniger schönen Zimmern. Das Spektrum der Hostels ist extrem breit. Man kann da tüchtig danebenliegen – und merkt es erst vor Ort.

Warum Taganga trotzdem mein erster Anlaufpunkt bleibt

  • weniger hektisch als Santa Marta
  • Santa Marta in 15 Minuten per Bus erreichbar
  • gute Einkaufsmöglichkeiten dort
  • Taganga ist immer noch ein Fischerort – eine zweite Ebene des Ortes, die parallel zur Touri-Welt läuft und sich doch mit ihr vermischt

Wer noch nie im Tayrona-Nationalpark war, sollte unbedingt hin – per Boot von Taganga oder Santa Marta.
Minca ist mir inzwischen zu überlaufen, aber für Erstbesucher sicher lohnend.

Auch diesen Tag beendete ich wieder in der Hängematte auf der luftigen Dachterrasse – mit großem Genuss.


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