Chocó – Nuquí Termales Guachalito und Coqui – 02. + 03.06.2026

Chocó – Regen, Ruhe, Currulao‑Vibes im Kopf

Es gibt ein paar Dinge, die im Chocó nicht verhandelbar sind. Zum Beispiel: ein Regenschutz, der nicht sofort beleidigt aufgibt. Ein leichter Poncho reicht völlig – und ja, diese billigen Einmalplastikdinger tun’s zur Not auch. Zwei davon in der Tasche, und du bist praktisch ein lokaler Survival‑Experte.

Ein wasserdichter Tourenrucksack ist Gold wert. Beim Ein‑ und Aussteigen in die Boote wird man nämlich gern mal spontan „getauft“. Häfen gibt’s hier nicht, nur Strand, Wellen und das Prinzip Hoffnung. Und wenn die Dünung stark ist, wird auch die Überfahrt selbst zur Gratis‑Dusche.

Vor Ort unbedingt: Insektenschutz kaufen. Die Moskitos sind lästig, aber die Jejenes (Gnitzen) nach Sonnenuntergang sind die wahren Endgegner. Die Stiche jucken nach einiger Zeit wie der Teufel. Generell sind Moskitos und Co auch potenzielle Überträger von Dengue, Zika & Co. Schlafen? Am besten unter einem Moskitonetz. Wenn’s keins gibt: Ventilator an. Die Viecher hassen Wind – ich liebe diesen Deal.

Badeschuhe sind Pflicht. Schlappen sind im Chocó wie schlechte Beziehungen: Sie gehen im falschen Moment verloren, bringen dich ins Wanken und enden damit, dass du im Wasser liegst. Am Sandstrand egal – über Steine eher nicht.

🌊 Warum ich den Chocó liebe – und es jedes Mal vergesse

Ich hatte tatsächlich vergessen, warum ich so gern hier bin. Und dann trifft es mich wieder wie ein warmes, tropisches Brett:

Dieser tiefe innere Frieden, der sich einfach einstellt. Der Geruch des Pazifiks, diese freundliche, salzige Umarmung. Die Wärme, die Menschen, die Natur, die Berge, die Flüsse, der Regenwald, der nicht einfach wächst, sondern explodiert.

Hier brauche ich nichts. Ich bin einfach. Außer ich habe Hunger – dann brauche ich sofort etwas zu essen. Aber das ist im Chocó kein Problem, denn die Küche hier ist ein Gedicht.

Die Pazifikküste ist eine der spannendsten kulinarischen Regionen Kolumbiens: Afro‑kolumbianische Wurzeln, indigene Einflüsse, Fisch, Meeresfrüchte, Kokos, Kochbananen, Yuca, Kräuter aus dem Regenwald. Jedes Gericht schmeckt wie ein kleines Kultur‑Feuerwerk.

📡 Internet im Chocó – oder: Willkommen im digitalen Zen

In Guachalito habe ich mal aus Spaß den WLAN‑Scanner eingeschaltet. Ergebnis: zwei Signale, beide so schwach wie ein müder Kolibri. Claro‑SIM? Funktioniert manchmal. Tigo‑Netz über eSIM? Auch manchmal. Starlink‑WLAN in manchen Unterkünften? Jackpot – aber eben nur lokal.

Kurz gesagt: Das Internet kommt und geht wie eine Katze, die nicht weiß, ob sie rein oder raus will.

Der Mittwoch – Regen, Regen, Regen… und dann ein perfekter Tag

Am Mittwoch ging’s mit Santiago und seinem Boot los. Er hatte eine kleine Familie aus Manizales aufgetrieben – Mutter plus zwei erwachsene Kinder. Sehr sympathisch.

Ich war natürlich deutsch‑pünktlich wach, hatte schon gefrühstückt, während draußen Regenmassen runterkamen, die in Europa als „Naturkatastrophe“ durchgehen würden. Die Kolumbianer frühstückten gemütlich nacheinander, während ich draußen saß und beobachtete, wie die Leute den Pfützen ausweichen – oder auch nicht.

Wir organisierten ein TukTuk zum Steg. Ich war heilfroh über meinen wasserdichten Rucksack und meinen Poncho. Die Kolumbianer hatten immerhin Plastiktüten. Ich dachte schon, die Fahrt würde zur Hölle, aber: Regen glättet die Wellen. Wieder was gelernt.

Kurz hinter Nuquí hörte der Regen auf, und wir landeten entspannt in Termales.

Termales – Wiedersehen mit Moringa & Co.

Das Anlanden war einfach, aber für mich trotzdem tricky: Polyneuropathie und Wellen sind keine Freunde. Ich kompensiere fehlendes Gefühl in den Beinen mit Optik – und wenn man nur Wasser sieht, das in alle Richtungen fließt, wird’s spannend. Dank Badeschuhen blieb ich aber trocken und würdevoll.

Termales hatte sich verändert: neue Häuser, neue Infrastruktur, alles dichter bebaut. Wir landeten direkt vor Moringas Unterkunft La Sirena Negra. Herzliches Hallo, zwei Töchter da, eine mit einem winzigen Baby im Arm. Santiago war mit den Kolumbianern im Thermalbad – ich hatte Zeit zum Ratschen.

Guachalito – Strand, Wasserfall, Tourismus‑Turbo

Weiter ging’s nach Guachalito. Baden, spazieren, Wasserfall. Der Weg dorthin ist inzwischen ein richtiger Wanderweg – kein Dschungelpfad mehr. Auch hier: neue Häuser, neue Unterkünfte, alles wächst. Der Tourismus ist eindeutig auf dem Vormarsch.

Coquí – diesmal ohne Drama

Nach Guachalito ging’s weiter nach Coquí. Letztes Mal bin ich die Strecke zu Fuß gelaufen – zwei Stunden Kampf, falsche Schuhe, Flussüberquerung, ein Hund, der erst bellte und dann den Weg zeigte. Diesmal fuhren wir bei Flut den Fluss hoch. Viel angenehmer.

Das Essen in Coquí war hervorragend. Ich versöhnte mich mit dem Ort – nach meinem letzten Besuch und echt unangenehmen Begegnungen hatte ich geschworen, nie wiederzukommen. Aber gut: Man sollte Dingen eine zweite Chance geben.

Nicht nur Santiago verteilt inzwischen übrigens brav Schwimmwesten. Früher war das eher optional.

Zurück in Nuquí – ein voller, schöner Tag

Am Ende kamen wir müde, zufrieden und gut durchgelüftet in Nuquí an. Ich fiel früh ins Bett – am nächsten Morgen ging mein Flug zurück nach Medellín.