Mittwoch, 27.05.2026
Ich war sehr früh wach – erstaunlich früh, wenn man bedenkt, wie spät ich ins Bett gegangen war. Kurz nach sechs stand ich schon oben auf der herrlich entspannten Dachterrasse des Casa Bella Mya und genoss den heraufziehenden Morgen, begleitet vom Konzert der Vögel. Diese Zeit hat etwas Erbauliches: Die Menschen schlafen noch, aber die Papageien streiten schon, die Hähne befinden sich in der Endrunde ihres Gesangswettbewerbs, und andere exotische Vögel erledigen ihre ersten Geschäfte des Tages.
Als einer der Nachbarn begann, sich sein Frühstück zu basteln, stieg mir der Duft in die Nase – und mein Magen meldete sich sofort. Also machte ich mich kurz vor acht auf den Weg zu Pavillon 14 am Strand, wo ich am Vorabend so gut gegessen hatte. Leider war noch geschlossen. Der Spaziergang dorthin war trotzdem interessant: Um diese Uhrzeit sind keine Touristen unterwegs, eher Fischer, Tauchschüler und die Tagangueros, die sowieso immer früher wach sind als alle anderen.
Da es noch nicht so heiß war, ging ich weiter zum Pachamama am vorderen Ovalo. Keine „Einzug-zum-Strand-Show“ heute – es war ja kein Sonntag. Also keine Badegäste aus Santa Marta mit Soundblaster und Fresskiste. Die wilden Hunde waren schon da, und auch die Fliegen, die an normalen Tagen ein gigantisches Buffet vorfinden. Heute war das Angebot allerdings stark eingeschränkt – auf mein Frühstück. Also konzentrierten sie ihre gesamte Energie auf mich. Ich war nur am Wedeln und Abdecken und wollte gar nicht darüber nachdenken, wo diese Fliegen vorher überall gesessen hatten.
Die Mädels waren – aus Gründen, die ich bis heute nicht kenne – in einem anderen Hostel untergekommen. Ich wusste nicht einmal wo. Ich schrieb Patty, dass ich im Pachamama sitze. Sie meinte, sie bräuchten noch etwas. Nach über einer Stunde war es mir aber zu heiß und zu fad, also ging ich zurück zum Hostel. Überraschend problemlos übrigens – langsam, aber ohne Herzfrequenzrekorde.
Ich packte mein Zeug zusammen, denn um 13 Uhr sollte Taxista Jader kommen, den ich bisher als sehr zuverlässig erlebt hatte. In der Zwischenzeit meldeten sich die Mädels: Sie seien schon in Santa Marta im Hotel. Jader kam allerdings gar nicht – er hatte eine Tour nach Barranquilla angenommen. „Der Ober sticht den Unter“, kann man da nur sagen. Die Ersatzlösung funktionierte auch nicht, aber Jacqueline, die Hostelbesitzerin, gab Gas und organisierte mir ein anderes Taxi.
Schwupps stand ich in der sengenden Sonne vor dem Casa de Anfitrite Aparthotel. Das Taxi fuhr weg, und ich wollte hinein – was sich als erstaunlich schwierig herausstellte. So kompliziert wie der Name des Hotels war auch die Tür. Ein rezeptionsfreies Selbstservice-Hotel… etwas, das ich niemals gebucht hätte. Ich brauchte mindestens 15 Minuten, um alle E-Mails und Infos durchzugehen, bis ich endlich den Eintrittscode fand. Die pralle Sonne blendete so stark, dass ich das Eingabefeld kaum erkennen konnte.
Ein älterer Mann mit Krücken kam vorbei und meinte, ich solle einfach klopfen. Ich wusste, dass das nichts bringt – keine Rezeption, niemand da. Aber er wollte helfen und hämmerte mit seiner Krücke wie wild gegen die Tür. Immer wieder. Ich konnte ihn nicht stoppen. Er hatte beschlossen, mir zu helfen, und zog das durch. Zum Glück fand ich dann den Code und konnte rein. Ich bedankte mich herzlich, während er weiterhumpelte.
Nächste Hürde: die Tür zu meinem Zimmer. Der Code funktionierte nicht. Also per WhatsApp die Haushälterin gerufen. Sie kam irgendwann und öffnete mit der Superclave, dem Generalschlüsselcode. Ich sah versehentlich zu und versuchte, ihn möglichst schnell wieder zu vergessen.
Das Hotel war ebenerdig, mit kleinem Pool und Stühlen vor den Zimmern – allerdings ohne Sonnenschutz, also völlig unbrauchbar. Keine Dachterrasse, keine Brise, nichts. Die Zimmer waren sauber, modern, mit riesigem Bett und harter Matratze. Das einzige Fenster ging zum offenen Gang hinaus. Gardine hin oder her – abends musste man es blickdicht schließen, und dann war es stockdunkel. Ideal für Leute, die sich ausschließlich mit ihrem Handy beschäftigen wollen. Ich hätte es nie gebucht, aber ich hatte es von den Mädels übernommen.
Ich bereute ein wenig, ihnen nach Santa Marta gefolgt zu sein. Normalerweise fahre ich mit dem Bus rüber und abends wieder zurück nach Taganga – dort ist es entspannter, weniger Lärm, weniger Hitze. Und wenn Santa Marta, dann ein Hotel mit luftiger Dachterrasse. Punkt.
An diesem Tag schaffte ich über 10.000 Schritte – trotz der Hitze. Ich schaute mir den Yachthafen an, aß später an der Hafenpromenade Pollo a la plancha, schlenderte durch die Altstadt und schleppte mich schließlich zurück ins Hotel. Dort bemerkte ich an meinen juckenden Fußknöcheln, dass mich die Jejénes erwischt hatten. Diese Mini-Biester schlagen gnadenlos zu, ohne dass man es merkt – und eine halbe Stunde später beginnt der Juckreiz, der zwei bis drei Tage anhalten kann. Die üblichen Tricks – erhitzter Löffel, Hochspannungsschlag – helfen bei Jejénes nicht. Und kratzen darf man auf keinen Fall. Immerhin besser als die Sandflöhe damals im Chocó.
Von den Mädels keine Spur. Ich ging früh ins Bett.
Donnerstag, 28.05.2026
Ich wachte früh auf und bekam plötzlich Lust auf ein richtig fettes Frühstücksbuffet – am besten auf einer Dachterrasse. Also suchte ich mir eines raus: das Catedral Plaza. Gelobt für sein Buffet und die Aussicht. Perfekt.
An der Rezeption wurde ich freundlich begrüßt, und oben im 6. Stock kümmerten sich drei Camareras intensiv um meine Frühstücksbedürfnisse. Ich war der einzige Gast. Die Aussicht auf Santa Marta – besonders die Kathedrale – war fantastisch. Draußen war es allerdings schon zu heiß, drinnen lief die Klimaanlage auf Antarktis-Modus. Schwierige Entscheidung: draußen schmelzen oder drinnen einfrieren.
Zwischendrin meldeten sich die Mädels: Sie hätten sich ausgesperrt. Der Code funktionierte nicht mehr, die Zimmerkarte lag im Zimmer. Wenigstens hatten sie ihr Handy dabei und konnten die Haushälterin rufen. Die arme Frau hat wirklich einen anspruchsvollen Job.
Ich nutzte die Zeit und kaufte mir eine traditionelle Hängetasche, ein oder zwei leichte Hemden und ein paar Geschenke. Dann gönnte ich mir tropische Fruchtsäfte und ging zurück ins Hotel – ich musste meine „einsame Zukunft in Kolumbien“ klarmachen. Durch die kurzfristigen Buchungen wurden die Flüge richtig teuer. Für Medellín zahlte ich mehr als das Doppelte des Normalpreises. Für Nuquí und Chocó bekam ich nur noch ein Vier-Tage-Fenster – immerhin günstig: Hin- und Rückflug mit Gepäck für 100 Euro. Ich reservierte im Hotel Zándalo und gab meinen Kontakten in Nuquí Bescheid.
Als alles geregelt war, ging ich entspannt essen – wieder am Yachthafen, wo es abends angenehm kühl ist. Wären da nicht diese Mini-Mücken, die erneut eine Blut-Saufparty veranstalteten. Wenn die meine Blutwerte gekannt hätten…
Der letzte Task war Packen. Um 00:30 Uhr lag ich im Bett. Geplant war, um 6 Uhr aufzustehen.










