Taganga – Hitze und kleinere Beobachtungen – Freitag, 22.05.2026

Gestern war, bedingt durch meine schlechte Kondition, den ganzen Tag über eher ein langweiliger Tag. Wenn ich die kurze Distanz runter zum Strand ging, zum Beispiel zum Frühstücken, und vor allem dann wieder hoch zur Unterkunft, brauchte ich aktuell hinterher 1 bis 2 Stunden, um wieder so einigermaßen stabil zu werden. Die bittere Einsicht und Realität war: Eigentlich war und bin ich körperlich für so eine Reise überhaupt nicht aufgestellt. Aber jetzt war ich nun mal hier.

Gestern war Freitag, also fast schon Wochenende. Verschiedene Nachbarn rund um die Unterkunft hatten ihre Monster-Musikanlagen aufgebaut und machten in wirklich beeindruckender Lautstärke Musik. Jeder seine eigene: Der eine mehr Vallenato, Bachata, Ranchero und alte mexikanische Schnulzen, der andere mehr Salsa und Latin Groove. Glücklicherweise keiner mit Reggaeton. Aber wirklich so extrem laut, dass es auf der sonst so angenehmen Dachterrasse nicht nur wegen des Heißluftföns aus heißem Wind, sondern auch wegen der intensiven „Lärmbelästigung“ nicht auszuhalten war. Und ich stehe wirklich auf alle genannten Genres. Ich kannte das wochenendliche Phänomen auch von früher, aber diesmal war es wirklich heftig. Übrigens begann der Lärmterror auch am nächsten Tag bereits um 07:00 Uhr in der Früh.

Und gestern war ein wirklich extrem heißer Tag. Es ging zwar auch ein bisschen Wind, der bewirkte jedoch nur, dass man das Klima wie einen heißen Föhn empfand. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich auf meinen Reisen überhaupt eine Klimaanlage benutzt habe. Eigentlich nie. Und in den günstigen Unterkünften, die ich normalerweise nutzte, gab es meistens ohnehin keine. Aber aktuell lernte ich diesen Luxus wirklich zu schätzen. So konnte ich das Zimmer auf angenehme 24 bis 26 Grad runterkühlen. Da ging die Erholungsphase für mich viel schneller. Ich freute mich richtig auf die Sierra Nevada und die Finca dort. Es waren zwar nur 2–3 Tage geplant, aber da oben ist es wenigstens ein bisschen kühler. In Medellín ja auch, im Chocó an der Pazifikküste dagegen eher andersrum… Ob ich das diesmal wirklich schaffen würde, stellte ich ernsthaft infrage.

Witzigerweise schaltete ich die Klimaanlage eigentlich nur mal testweise ein, um sie auszuprobieren. Aber aus verschiedenen Gründen – zum einen, weil die Batterie der Fernbedienung fast leer war, zum anderen, weil ich versehentlich den Kommunikationskanal zur eigentlichen Klimaanlage verstellt hatte – ließ sich das Ding nicht mehr ausschalten. Nur deshalb kühlte sich das Zimmer auf angenehme Temperaturen runter, auch weil ich die große Schiebetür zur Terrasse wegen der lauten Musik geschlossen hatte. Dadurch machte ich quasi zwangsläufig die Erfahrung, dass mir gut gekühlte Räume deutlich besser tun. Dass also 24 bis 26 Grad im Zimmer völlig ausreichen und viel angenehmer sind als über 30 Grad. Eigentlich selbstverständlich. Durch den Umstand, dass ich die Anlage nicht mehr ausschalten konnte, blieb sie die ganze Nacht eingeschaltet, lief vom Ventilator her glücklicherweise auf der niedrigsten Stufe. Und zum ersten Mal wachte ich nicht um 04:00 Uhr in der Früh auf und verpasste die sonst so wunderbare Morgenstimmung auf der Dachterrasse. Dafür schlief ich hervorragend.

Für den schnellen Hunger lernte ich die Pizzeria oben an der Ecke zu schätzen. Die Pizzen waren wirklich lecker. Keine Tiefkühlpizzen oder sowas – nein, er machte den Teig selbst und bereitete auch den Belag frisch zu. Die drei Jungs von der Pizzeria… sympathisch. Wenn man ein Getränk bestellte, lief derjenige, der gerade als Kellner aktiv war, schnell rüber zum Laden auf der anderen Straßenseite und holte die gewünschten Getränke. Wenn der Getränkeladen schon geschlossen hatte, wurde per Telefon unten vom Strand bestellt, wo die Geschäfte oft bis Mitternacht geöffnet hatten, und die Getränke wurden per Fahrrad hochgebracht. Quasi ein Schnelllieferservice, denn ein Junge mit dem Fahrrad war binnen zwei Minuten da. Alles recht fein organisiert. Und so kann man tatsächlich auch in sehr kleinem Rahmen gute Geschäfte machen, denn der Laden brummte.

In Deutschland wäre das allein schon deshalb undenkbar, weil der Laden so nahe an einer vielbefahrenen und ungeteerten Straße liegt. Draußen bugsierten sich ständig sowohl Motorräder als auch große Lkws sehr nah an einem vorbei. Zwar nicht schnell, weil die Straße steil und uneben war, aber eben sehr nahe. Daran musste ich mich erst ein bisschen gewöhnen, denn ich saß mit dem Rücken zur Straße. Es erinnerte mich ein bisschen an Erlebnisse in Bahia in Brasilien, wo abends die Straße einfach mit Stühlen und Tischen eines Lokals vollgestellt wurde und die Autos sich dann in schwierigen Manövern durch den „Popup-Biergarten“ kämpfen mussten.

Witzig war auch, als ich mir im Laden gegenüber mal vier Flaschen Wasser besorgte. Da bot mir der Verkäufer an, er könne mir seine Telefonnummer geben, und das nächste Mal solle ich ihm einfach eine WhatsApp schicken, dann würde er mir die Ware bringen. Dabei war ich das erste Mal in dem Laden und überhaupt kein Stammkunde oder so. Fand ich schon ein sehr ungewöhnliches Angebot, aber auch extrem praktisch. Auch das wäre in Deutschland kaum vorstellbar.

Eines der wirklich augenfälligen und großen Probleme in Taganga sind die größtenteils ungeteerten Straßen. Daraus resultiert eine enorme und ständige Staubbelästigung, und wenn man nur ein paar Schritte außerhalb des Hauses macht, hat man sofort dreckige Füße. Wenn man draußen etwas isst, knirscht es immer ein bisschen zwischen den Zähnen. (Ich übertreibe.)

Um 21:30 Uhr wurde ich vom Taxifahrer an der Unterkunft abgeholt, denn ich fuhr mit zum Flughafen, um die beiden Mädels abzuholen, die aus Bogotá ankamen. Die Fahrt von Taganga zum Flughafen dauert ein bisschen weniger als eine Stunde. Es klappte alles hervorragend mit dem Gepäck und so weiter. Als wir dann den klimatisierten Flughafen verließen, bemerkten sie sofort die enorme Hitze, die selbst um 22:30 Uhr noch auf den Straßen lastete und wie ein Hammerschlag plötzlich auf den Körper einwirkte.

Wir hatten dann in Taganga bei der Unterkunft noch einen netten Ratsch in der „Stammpizzeria“ ums Eck, denn klar, die Mädels hatten noch Hunger. Und einer der Mitarbeiter, ein junger Bursche ungefähr im Alter von Marie, stellte sich für den kommenden Tag gleich als Guide zur Verfügung. Damit war ich raus aus der Nummer.

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